Tierschutz in Mastanlagen

08.02.2017

Zum besseren Verständnis definierte Niemann als AbL-Vertreter im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ die „Massentierhaltung“ wie folgt:

„Bei einer Massentierhaltung stehen zu viele Tiere in einem Stall bzw. in einer Anlage, und zwar „zu viele“ aus folgenden Gründen:

1. weil wegen strukturell nicht genügend anzubietendem Platz, zu großen Herdengrößen und/oder zu wenig Auslauf die Tiere leiden, ihre artgemäßen Verhaltensweisen nicht ausüben können, sich darum gegenseitig verletzen und deshalb z.B. „vorbeugend“ ihre Schnabelspitzen oder Ringelschwänze kupiert (abgeschnitten) bekommen;

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Abl Massentierhaltung

 

29.11.2016

Urteil vom Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die momentan oft praktizierte Sauenhaltung  nicht der Nutztierhaltungverordnung entspricht.

BVerwG 3 B 11.16 – Beschluss vom 08. November 2016

(…) Das Urteil gelte zwar zunächst nur für die beteiligten Parteien, sagte eine Sprecherin des Bundesverwaltungsgerichts. Es habe aber Wirkung über den Fall hinaus, weil es sich um die höchstrichterliche Auslegung einer Rechtsnorm handele. «Die Praxis muss so sein, wie es das Gericht entschieden hat: die Schweine brauchen ausreichend Platz, um sich hinlegen zu können», sagte die Sprecherin des BVG.

Durch diese höchstrichterliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist nun die Grundlage für ein bundesweit einheitliches Vorgehen der Behörden bei der Bewertung von Kastenständen gelegt worden. „Bei der Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sahen die Richter keinen Spielraum für Interpretationen. Die Vorschrift gelte individuell für jedes in einem Kastenstand gehaltene Schwein. Es müsse jedem Schwein entsprechend seiner Größe möglich sein, jederzeit ungehindert in Seitenlage mit ausgestreckten Gliedmaßen zu ruhen. Unzulässig sei damit insbesondere eine Kastenstands-Haltung, bei der ein Schwein seine Gliedmaßen in einen benachbarten Kastenstand hineinstrecken muss, daran aber zumindest zeitweise durch ein dort befindliches Schwein gehindert sein könne, urteilten die Richter.“

 Das Hauptargument von Befürwortern der Haltung in den Ständen ist, dass dadurch weniger neu geborene Ferkel erdrückt würden.

 Hier ein Bericht der deutlich macht, was diese Haltung für die Tiere bedeutet:

 http://www.zdf.de/frontal-21/gequaelt-fuers-kotelett-streit-um-kastenstaende-in-der-schweinezucht-43426614.html

 Andere Länder in Europa haben diese Form der Haltung abgeschafft:

 - In Schweden sind Kastenstände seit 1988 verboten. Und trotzdem: die schwedischen Kennziffern zur Produktivität der Schweinehaltung, so der EU-Bericht, weisen mit 670 Gramm täglicher Zunahme sowohl überdurchschnittliche Ergebnisse als auch mit durchschnittlich 23 Ferkeln pro Sau und Jahr durchschnittliche Ergebnisse auf

- 1977 wurde in der Schweizein Verbot der Kastenstände beschlossen und seit 2007 sind die Übergangsfristen abgelaufen

- Dänemark verschäft den Tierschutz in der Sauenhaltung. Ab 2015 müssen sich die Tiere wenigstens 80% ihrer Lebenszeit frei bewegen können

 

02.09.2016

Der neue kritische Agrarbericht 2016 stellt viele Fakten zur Landwirtschaft dar:

http://www.kritischer-agrarbericht.de/2016.357.0.html

 

Ein Beitrag trägt die Überschrift: Tierwohl auch eine Frage der Bestandsgröße

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2016/KAB2016_Kap1_74_79_Beste.pdf

Wir haben Ihnen einige Fakten zusammengefaßt:

Tierwohl auch eine Frage der Bestandsgröße

Ein weiterer Beitrag trägt die Überschrift: Tiere als “Abfall”

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2016/KAB2016_Kap8_246_250_Hagen.pdf

Wir haben Ihnen die Fakten zusammengefaßt:

Tiere als Abfall

 

04.08.2016

Die Universität Göttingen hat eine Dissertation veröffentlicht. In ihr hat sich eine Wissenschaftlerin mit dem Tierwohl in 60 Schweinemastanlagen beschäftigt.

(Zum Verlinken/Zitieren: http://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0028-873B-1)

Dissertation_Meyer-Hamme

Hier einige erschreckende Aussagen aus der Arbeit von Sophie Elise Katharina Meyer-Hamme:„Zusammenhang zwischen Bestands-, Gruppengröße und Indikatoren desTierwohls in der konventionellen Schweinemast“:

- teilweise erhebliche Mängel in der Wasserversorgung

- bei 60 Betrieben wurde Bursitis bei den Schweinen festgestellt (34,7 %  Schleimbeutelentzündungen)

- 40% der Ställe waren nach NutztierVO überbelegt

- nur 29,1% der Tiere waren in einem guten Gesundheitszustand

- 10,5% der Tiere wiesen Verletzungen auf

- das Tierwohl-Niveau war in allen Ställen als niedrig zu bezeichnen

Alle Fakten aus der Arbeit unter folgendem Link:

Fakten aus Dissertation Tierwohl

 

22.06.2016

Die Tierschutzorganisation peta informiert darüber, was man tun kann, um Missstände in der Tierhaltung zu melden oder zu verhindern:

Missstände in der Tierhaltung:

 

29.05.2016

Immer mehr Verbraucher können die Art der Tierhaltung in der heutigen Landwirtschaft nicht mehr aktzeptieren. Darauf haben die landwirtschaftlichen Verbände und die Lebensmittelindustrie irritiert reagiert und die Initiative “Tierwohl” ins Leben gerufen. Doch schon kurz nach Installierung dieser Initiative wurde klar, dass funktioniert nicht.

Artikel aus der Süddeutschen Zeitung:

Süddeutsche Zeitung Tierwohl

Auch die Verbände und die Lebensmittelindustrie machten diese Feststellung. Aber wie reagieren sie darauf? U.a. in skandalöser Weise, sie wollen die Kriterien in der Sauen-, Mastier- und Ferkelhaltung wieder absenken, damit sich mehr Landwirte finden, die sich überhaupt an dieser Initiative beteiligen:

Artikel aus der top agrar:

top agrar Tierwohl

Wir fragen uns: worum geht es eigentlich bei dieser Initiative? Tatsächlich um mehr Tierwohl? Oder doch nur darum, den Verbraucher etwas zu beruhigen? Und warum sperren sich sowohl die landwirtschaftlichen Verbände als auch die Lebensmittelindustrie gegen eine Kennzeichnung der Herkunft von Fleisch? Für den Verbraucher ist das Alles völlig intransparent, nicht nachvollziehbar und damit nur wieder ein Beispiel dafür – viel Geld für ein Bißchen Tierschutz!

Doch nicht einmal durch EU-Förderung kann man viele Landwirte dazu bewegen Tierschutzmaßnahmen in ihren Mast- und Zuchtanlagen umzusetzen. Die Agrar-EU-Förderung betrug 2014 für das Münsterland 123.945.566,32 €. Dabei erhielten insgesamt 8.156 landwirtschaftliche Betriebe eine Förderung. Nicht einmal 3% dieser Betriebe setzten dabei Tierschutzmaßnahmen um.

24.02.2016

Seit vielen Jahren werden in den s.g. Veredelungsregionen Schweineställe nur noch mit Vollspaltböden gebaut. Böden, die durch Schlitze die Exkrementenentsorgung für die Landwirte erleichtern. Durch diese Spalten gelangen die Exkremente in die unter dem Stall liegenden Güllekeller und können von dort ohne Probleme abgepumpt und auf den Feldern entsorgt werden. Mitentsorgt werden dabei auch, die zur Stallreinigung eingesetzten Desinfektionsmittel. Eigentlich sind laut EU-Richtlinie klare Vorgaben für die Haltung von Schweinen vorgegeben. Dazu gehört auch die Tatsache, dass getrennte Liege- und Fressbereiche vorhanden sein müssen.

Jetzt hat die Albert-Schweitzer-Stiftung herausgefunden, dass durch einen (vielleicht bewußt gemachten) Übersetzungsfehler, diese Richtlinie in Deutschland nicht umgesetzt wird. In der ursprünglich englischen  Richtlinie heißt es für die Liegebereiche, dass diese “comfortable” sein müssen. In der deutschen Übersetzung ist daraus ein einfaches “angemessen” geworden!!!

ASS RL-Schweine Spaltböden

 

 

 

11.12.2015

!!!Der CDU-Bundestagsabgeordnete, Bauernpräsident und Schweinemäster Johannes Röring wird nicht müde zu betonen, wie groß das Interesse der Landwirte am Tierschutz in den Stallanlagen ist. Die Zahlen zur EU-Förderung für Tierschutzmaßnahmen in den Münsterlandkreisen sprechen aber eine ganz andere Sprache:

Im Kreis Borken haben z.B. mal gerade 38 Landwirte von insgesamt 2113 landwirtschaftlichen Betrieben Fördergelder für Tierschutzmaßnahmen in 2014 beantragt – Herr Röring ist mit seinem Hof nicht dabei!!!

In Greven sind es von 160 landwirtschaftlichen Betrieben mal gerade 6! In Emsdetten von 108 nur 5, in Altenberge von 97 Betrieben nur 2 und in Hörstel von 138 Betrieben nur 2!

 

 

Wir haben uns als BI im letzten Jahr eine Tierhaltungsanlage in Mettingen angesehen und dabei an der Straße einen unverschließbaren Container voller toter Ferkel vorgefunden. Laut Aussage eines anwesenden Landwirtes waren an den Ferkeln keine Zeichen dafür zu finden, dass sie nicht lebensfähig gewesen sind.

Da wir auch zu diesem Sachverhalt beim Veterinäramt des Kreises Steinfurt mal wieder nichts erreicht haben, haben wir eine Fachaufsichtsbeschwerde beim Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz eingereicht udn folgendes Foto als Beweis beigefügt

Zaun Anlage Knuf Mettingen

Die Behörde hat unsere Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen:

Antwort der LANUV auf die Fachaufsichtsbeschwerde

Wir haben darauf reagiert:

Antwort der BI auf die Ablehnung der Fachaufsichtsbeschwerde

 

 

!!!Verschiedene Tierschutzorganisationen schließen sich den Forderungen des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik (WBA) an!!!

Wir als BI geben dazu Folgendes zu bedenken:

Bedenken der BI zu WBA Aussagen

Aussage zur Tierrettung im Brandfall

Kurzinfo UI Kreis Steinfurt

Kurzinfo UI NS

!!!Systematischer Rechtsbruch von Veterinärbehörden!!!

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/rechtsbruch-veterinaerbehoerden#utm_source=nl15-41&utm_medium=email&utm_campaign=w-nl

!!!Tierschutzorganisationen fordern Kurswechsel in der Nutztierhaltung!!!

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/tierschutzorganisationen-fordern-kursaenderung#utm_source=nl15-41&utm_medium=email&utm_campaign=w-nl

!!!Informationen zu tierquälerischer Haltung in Anlagen von Wiesenhof!!!

http://wiesentod.de/?pk_campaign=newsoct2015&pk_kwd=I15KEA001

!!!Aktuell: Niedersachsen hat mit landwirtschaftlichen Verbänden eine Vereinbarung zur Vermeidung von Schlachtungen tragender Rinder unterzeichnet – zumindest ein Anfang!!!

150921Nds_Vereinbarung_Tragende_Rinder_Unterzeichnung_23 09 _Abs_FINAL

 

Zitat von der Homepage des Bundesministeriums für Landwirtschaft:

“Der Tierschutz steht seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz und ist damit eine verbindliche Leitlinie für das Regierungshandeln”

Und das ist die Realität der konventionell gehaltenen Nutztiere in Deutschland:

http://www.swr.de/report/dossiers/profit-und-quaelerei-tierschutz-in-deutschland/-/id=8246696/did=15385940/nid=8246696/lnj16r/index.html

Wo findet man auch nur ansatzweise eine Umsetzung dieses Staatszieles in den Mastanlagen?

Schnäbelkürzen bei Puten – Schwanzkupieren bei Ferkeln – Kastration von Ferkeln ohne Betäubung – Qualzuchten – Tötung von lebensfähigen Ferkeln – millionenfaches Töten von männlichen Küken in Schreddermaschinen – Hähnchen die nur 35 Tage alt werden dürfen – Schweine, die schon mit sieben Monaten ihr Schlachtgewicht erreicht haben – Milchkühe die vermehrt nur noch im Stall gehalten werden – männliche Kälber von Turbokühen, die nicht mehr gebraucht werden – immer größere Mastanlagen – 20% der Schweine, die bei der Schlachtung noch lebend im kochenden Wasser landen – Kühe, die “enthornt” werden, damit sie sich den Haltungsbedingungen anpassen – usw. usw. usw., wo findet sich da die angeblich Leitlinie im Regierungshandeln wieder?

Tierwohl-Label? Was bedeutet das? Vielleicht, mehr Platz für die Tiere in den Mastanlagen, keine Turbogewichtszunahme mehr? Mehr Beschäftigungsmöglichkeiten?

Oder doch nur eine zusätzliche Einnahmequelle für konventionelle Landwirte? Große Handelsketten zahlen in einen Fond damit die Kriterien eingehalten werden und der Handel dem Verbraucher Fleisch mit dem Label “Tierwohl”anbieten kann. Der Landwirt erhält 9,50 € pro Schwein, dass unter den “neuen” Bedingungen gemästet wurde! In Niedersachsen erhält der Landwirt neuerdings auch noch 16,50 € für jedes Ferkel, “das seinen Ringelschwanz behalten darf”!

Doch wir fragen uns: wer kontrolliert das in den Massentierhaltungsanlagen?

Die Gesamtzahl der Tierhaltungsanlagen in Deutschland ist uns nicht bekannt. Aber interessant ist in diesem Zusammenhang eine Veröffentlichung des Landes Niedersachsen zu den großen Anlagen, die der Umweltinspektion laut EU-Gesetz unterliegen:

2014-10-30_Liste_Tierhaltungsanlagen_IED_Anh_4_Internet_MU

81 Seiten, eng beschrieben mit den Adressen der großen Massentierhaltungsanlagen allein in Niedersachsen! Wie viele davon haben sich wohl dem Tierwohl verpflichtet? Wie viele Ferkel findet man dort wohl, die noch ihre Schwänze haben?

Hat der Verbraucher verstanden, dass artgerecht erzeugtes Fleisch seinen Preis hat, gibt es nur einen Weg – den Verzicht auf Fleisch aus konventioneller Haltung – nur Fleisch aus biologisch wirtschaftenden Betrieben der Verbände Demeter, Bioland und Naturland gewährleisten eine artgerechte Tierhaltung und den Verzicht auf gentechnisch verändertes Futter!

 

 

Brief an Brundiers (1)

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