Pressbericht Fiegenbaum Glyphosat

By | 27/11/2013

Ladbergen - WN

Die Diskussion um das Breitbandherbizid Glyphosat wird seit langem weltweit geführt. Wird es zu oft eingesetzt? Ist es schädlich für den Menschen? Es gibt viele Fragen und auch viele widersprüchliche Antworten. Der Ladberger Reinhard Fiegenbaum warnt vor dem Gebrauch des Mittels.

Von Sigmar Teuber

Gift oder Hilfsmittel? – Wer im Internet unter dem Stichwort „Glyphosat“ recherchiert, erhält viele unterschiedliche Ergebnisse. So ist auf einer Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu lesen, dass dieses Breitbandherbizid verglichen mit anderen als umweltfreundlich gelte. Es sei biologisch abbaubar und für Menschen nicht toxisch. Allerdings seien für einige glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel in Labortests DNA-Schädigungen nachgewiesen worden, die aber auf Zusatzstoffe zurückzuführen seien.

Andere wieder bezeichnen Glyphosat als eine „Massenvernichtungswaffe aus dem Supermarkt“, die innerhalb von fünf bis sieben Tagen „jegliches grüne Leben im gewünschten Ausmaß“ vernichte.

Für den Ladberger Reinhard Fiegenbaum, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), einer bäuerlichen Interessenvertretung, die für eine nachhaltige, sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft sowie für entsprechende Rahmenbedingungen eintritt, überwiegen die Risiken. Er warnt: „In den vergangenen Jahren ist es mir immer wieder aufgefallen, dass Getreide noch kurz vor der Ernte mit dem giftigen, krebserregenden Totalherbizid Glyphosat gespritzt wird. In Österreich ist diese Art von Getreideabtötung verboten, in Deutschland bei vielen Bauern der Renner.“

Studien hätten bewiesen, dass Glyphosat schwerwiegende gesundheitliche Schäden wie Krebs, Fehl- und Missgeburten hervorrufe und das ungeborene Leben schädigen könne, so Fiegenbaum. „Sie zeigen, dass das giftige Gebräu über Lebensmittel in unseren Körper gelangt, wo doch immer wieder von der Agrarlobby betont wird, die Bauern produzierten gesunde Lebensmittel.“

Kürzlich habe er eine Probe von einem mit Glyphosat behandelten Getreidefeld zur Untersuchung an ein Labor in Münster geschickt. Das Ergebnis sei erschreckend gewesen: „Die Probe enthielt 25,00 mg/kg Glyphosat, das übertrifft alle meine Erwartungen.“

Umweltverbände schlügen Alarm, sagt Reinhard Fiegenbaum, und selbst der Hersteller erkläre, dass zum Beispiel behandeltes Stroh nicht in die Futterkette gelangen solle. „Die Zulassung von Glyphosat wäre eigentlich schon im vergangenen Jahr abgelaufen. Auf Druck der Industrie wurde sie bis 2015 verlängert“, moniert er.

Glyphosat wirkt nach Expertenauskunft über die Blätter. Es hemmt einen lebenswichtigen Stoffwechselprozess in den Pflanzen. Die Wirkung tritt innerhalb einer Woche ein, die Pflanzen sterben ab. Oft werde das Gift noch kurz vor der Ernte ausgebracht, um die Abreifung von zum Beispiel Weizen oder Raps zu beschleunigen (Sikkation).

Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Bonn, ist es natürlich bekannt, dass zum Stichwort Glyphosat „eine weltweite Diskussion läuft“. Er verweist aber auch darauf, dass das Mittel durch das Bundesamt für Verbraucherschutz zugelassen sei. Aus seiner Sicht wird es in Deutschland relativ selten und nur bei Bedarf eingesetzt. Wer den Verdacht habe, dass es Landwirte regelwidrig verwendeten, der solle sich mit der zuständigen Landwirtschaftskammer in Verbindung setzten, empfiehlt er, damit deren Fachleute der Sache nachgehen und Proben ziehen könnten. „Das selbst zu tun, hat keine Beweiskraft“.

Dietmar Stockdiek, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Ladbergen, kann sich nur schwer vorstellen, dass Bauern Glyphosat unmittelbar vor der Ernte einsetzen. „Da gibt es vorgeschriebene Wartezeiten. Als Erntehilfe wird das Mittel nur gebraucht, wenn es notwendig ist. In diesem Jahr gab es keinen großen Bedarf“, versichert er.

Marlies Grüter, Pressesprecherin beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband Kreis Steinfurt, hat recherchiert: „Ein Wert von 25,00 mg/kg Glyphosat, wie er offenbar in Münster gemessen wurde, ist zu hoch.

Für Gerste, so Grüter, gälten 20 mg/kg, für Weizen, Triticale 10 mg/kg. Es sei aber die Frage, wann die Probe genommen wurde. „Es ist eine Wartezeit einzuhalten von bis zu 14 Tagen, vorher darf nicht geerntet werden. Wenn die Probe kurz nach der Spritzung vor Ablauf der Wartezeit genommen wurde, kann der Wert höher liegen, als zum Zeitpunkt der tatsächlichen Ernte.“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe Studien des BUND gesundheitlich bewertet, nach denen in 182 Urinproben von Personen aus 18 europäischen Ländern Glyphosat gefunden worden war. Sofern die gemessenen Konzentrationen auf den Verzehr belasteter Lebensmittel zurückgegangen seien, habe die Glyphosat-Aufnahme um mehr als den Faktor 1000 unter gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen gelegen. Die gefundenen Werte wiesen weder auf eine gesundheitlich bedenkliche Belastung der Verbraucher mit Glyphosat hin, noch stellten sie aufgrund der geringen Toxizität des Metaboliten einen Grund zur Besorgnis dar, sage das BfR.

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